
So machen Sie Ihren Elektrorollstuhl fit für den Winter
Sicher und mobil trotz Kälte, Schnee und Dunkelheit.
Minusgrade, nasse und rutschige Wege, frühe Dunkelheit: Für Nutzer von Elektrorollstühlen ist der Winter eine Herausforderung. Akkus verlieren an Leistung, Reifen verlieren Traktion, Feuchtigkeit greift die Technik an. Mit einigen gezielten Maßnahmen lassen sich jedoch Sicherheit und Mobilität auch in der kalten Jahreszeit deutlich verbessern.
Die zuverlässige Funktion technischer Geräte ist umso wichtiger, je kritischer die Einsatzbedingungen sind. Das gilt auch und besonders für Elektrorollstühle, weil sie für viele Nutzerinnen und Nutzer ein wesentlicher Bestandteil der Mobilitätskette sind. Als wichtigste Maßnahme zur Vorbereitung auf den Winter sollte deshalb ein gründlicher Technikcheck erfolgen. Den kann man mit ein wenig Geschick selbst durchführen (oder von einem Bekannten durchführen lassen), aber auch viele Sanitätshäuser bieten diese Dienstleistung an. In einigen Fällen können die Kosten dafür sogar übernommen werden, am besten fragen Sie vorher mal bei Ihrer Krankenkasse nach.
Ein besonderes Augenmerk gilt den Batterien. Sie unterliegen bauartbedingt temperaturabhängigen Leistungsschwankungen, die zwischen 20 bis 30 Prozent liegen können. Das heißt, Sie sollten bei Minusgraden einkalkulieren, dass Sie vielleicht nur noch Zweidrittel der Strecke zurücklegen können, die Sie im Sommer gewohnt sind. Bei älteren Batterien kann es sich lohnen, deren Leistung messen zu lassen und sie im Zweifel gegen neue auszutauschen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.
Vorsicht bei Lifehacks!
Abgefahrene Reifen sind im Winter ein Sicherheitsrisiko. Ausreichend Profil und der richtige Luftdruck sorgen für optimale Bodenhaftung und erschweren es spitzen Gegenständen, wie etwa Rollsplit, in die Reifen einzudringen. Auch hier gilt: Abgefahrene Reifen sollten ersetzt werden, damit das Fahren auf nassem oder schneebedecktem Untergrund nicht zur Rutschpartie wird. Spezielle Winterreifen für Elektrorollstühle sind eher selten, und die Tipps, die man zuweilen im Internet findet (Kabelbinder oder Paketband) sind meistens eher etwas für Geübte und Abenteurer. In den meisten Fällen reichen die serienmäßig montierten Reifen aus.
Die meisten Elektrorollstühle werden über den Motor abgebremst und haben keine eigene aktive Bremse, ein Technikcheck ist hier also nicht nötig. Allerdings ändert sich natürlich das Fahr- und Bremsverhalten des E-Rollis auf Matsch und Schnee, insbesondere an Gefällstrecken. Das sollten Sie bei Ihren ersten winterlichen Ausfahrten berücksichtigen und die neuen Gegebenheiten erst ein wenig an sicheren Stellen austesten, bevor Sie sich wieder mitten in den Straßenverkehr begeben.
Matsch, Schnee und Streusalz setzen jeder Technik zu, insbesondere Gummi- und Kunststoffelementen sowie beweglichen Teilen wie Kugellagern. Dem können Sie ein wenig vorbeugen, indem Sie Lager und Achsen zu Saisonbeginn neu einfetten (lassen). Aber Vorsicht: Nicht alles, was beweglich ist, darf eingefettet werden. Je nach Nutzung ist es auch hilfreich, den Elektrorollstuhl am Ende der Ausfahrt an den besonders empfindlichen Stellen abzuwischen beziehungsweise abzutrocknen.
Gute Sichtbarkeit ist eine Lebensversicherung
Im Winter werden Rollstuhlfahrer im Straßenverkehr besonders leicht von Autofahrern übersehen – beschlagene Scheiben, Schneefall oder tiefstehende Sonne verschlechtern die Sicht zusätzlich. Deshalb gilt: Überprüfen Sie die Lichtanlage und ergänzen Sie sie gegebenenfalls durch zusätzliche Reflektoren oder LED-Leuchten. Auch reflektierende Kleidung und Accessoires erhöhen die Sicherheit erheblich. Einige Elektrorollstühle verfügen über eine Warnblinkanlage, die Sie an kritischen Stellen wie unübersichtlichen Straßenquerungen ruhig einsetzen sollten.
Wer im Rollstuhl sitzt, kühlt schneller aus und bietet mehr Angriffsfläche für Niederschläge aller Art. Deshalb ist passende Kleidung entscheidend: Thermounterwäsche, Schlupfsäcke oder andere spezielle Kleidung schützen vor Kälte und Nässe. Bei den Handschuhen ist Experimentieren wichtig. Sie sollten einerseits wärmen, andererseits aber auch die sichere Handhabung des Joysticks und der übrigen Bedienelemente nicht einschränken. Apropos: Die meisten Bedienpanels von Elektrorollstühlen sind zwar wasserabweisend, aber nicht wasserdicht. Bei Dauerregen sollten Sie deshalb besser auf die Fahrt im Freien verzichten oder das Fahrpult durch einen durchsichtigen Plastiküberzug schützen.
Hier ein YouTube-Video vom Elektro-Rollstuhl mit Beleuchtung im Dunkeln.
E-Rollis sind gute und sichere Begleiter
Elektrorollstühle sind auch im Winter zuverlässige Begleiter – vorausgesetzt, sie sind gut vorbereitet. Die wichtigsten Punkte sind Batteriepflege, regelmäßige Wartung, gute Sichtbarkeit und passende Bekleidung. Teure Speziallösungen sind selten nötig, wohl aber Umsicht und Planung. Falls Sie noch keine Erfahrungen mit dem Fahren auf winterlichen Straßen haben: vorsichtig an einer sicheren Stelle üben. An besonders winterlichen Tagen ist der beste Tipp, sich wie die meisten Fußgänger und Autofahrer zu verhalten und einfach mal zu Hause zu bleiben. Wenn Sie diese Tipps beherzigen, bleiben Sie auch in der kalten Jahreszeit mobil und sind sicher unterwegs.
Hier können Sie in einem YouTube-Video sehen, wie sich der FreedomChair im Schnee macht.
